• 1

Keine Stadionverbote nur auf Empfehlung der Polizei

Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

Der Kläger ist Mitglied eines Vereins der 1. Fußballbundesliga und war Inhaber einer Dauerkarte für die Saison 2016/2017. Aufgrund eines Derbys trafen sich einige Fans bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Spieltag, um sich auf das Derby einzustimmen. Die Polizei wurde von diesem Treffen bereits im Vorfeld informiert. Das Treffen verlief friedlich, ohne Beteiligung der gegnerischen Fans und es gab keine Auseinandersetzungen. Dennoch stufte die Polizei dieses Treffen als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ein und führte eine umfassende Kontrolle sämtlicher Fahrzeuge durch. Weder im betreffenden Fahrzeug, in dem der Kläger unterwegs war, noch beim Kläger selbst wurden verbotene Gegenstände aufgefunden. Es wurden allerdings in örtlicher Nähe Vermummungsgegenstände, Boxhandschuhe, Gebissschützer und ähnliche Gegenstände aufgefunden. Über eine Verabredung des Klägers zu einer körperlichen Auseinandersetzung ist jedoch nichts bekannt geworden. Auch war der Kläger nie polizeilich in Erscheinung getreten oder in irgendeiner Form negativ aufgefallen.

Dennoch wurde der Kläger bis zum Folgetag (insgesamt 8-9 Stunden) festgehalten, seine Identität wurde festgestellt und ihm wurde ein Platzverweis für den betreffenden Spieltag im Bereich der Stadt erteilt, in der das Auswärtsspiel stattfand. Ein Ermittlungsverfahren wurde nicht eingeleitet.

Die Polizei empfahl dem DFB gegen den Kläger (und gegen 176 weitere Personen) ein bundesweites Stadionverbot auszusprechen. Dieses wurde daraufhin -nach einem vereinsinternen Anhörungsverfahren- ausgesprochen und auf 1,5 Jahre befristet.

Der Kläger wehrte sich gegen das Stadionverbot und bekam vom AG Frankfurt Recht, da das Stadionverbot nicht auf einer sachlichen Grundlage ausgesprochen wurde. Als sachlicher Grund ist zwar bereits ausreichend, dass die begründete Besorgnis besteht, dass von einer Person die Gefahr künftiger Störungen ausgeht. Jedoch muss der DFB selbst eigene Aufklärungsarbeit leisten und darf sich nicht nur auf eine Empfehlung der Polizei verlassen. Der DFB muss die Tatsachen, die die Gefahr für eine künftige Störung begründen, selbst feststellen und bewerten.

Weiterhin stellte das AG Frankfurt fest, dass sich keine Besorgnis künftiger Störungen ergibt, weil der Kläger sich mit einer größeren Gruppe von Fußballfans getroffen hat. Das gemeinsame friedliche Treffen von Fußballfans stelle weder einen Haus- noch einen Landfriedensbruch dar und wird auch nicht zu einer Straftat, weil die Personengruppe etwas größer war.

  • Strafrecht

    Strafrecht Wenn sich ein Strafverfahren ankündigt, stellt dies für den Betroffenen meist eine sehr belastende Situation dar. Dadurch machen Beschuldigte weiterlesen
  • Ordnungswidrigkeitenrecht

    Ordnungswidrigkeitenrecht Auch wenn es sich bei Ordnungswidrigkeiten um geringfügige Verstöße ohne Strafrechtsanwendung handelt, kann hier juristische Beratung und Vertretung notwendig weiterlesen
  • Verkehrsrecht

    Verkehrsrecht Der Straßenverkehr birgt eine Vielzahl von Risiken für alle Beteiligten und nicht selten müssen strittige Auffassungen über Sachverhalte juristisch weiterlesen
  • 1
  • 2
  • 3
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.